Letzte Änderung:  23.2.06
Musik CDs

O sole mio

Die Geschichte eines Liedes

Der Erfolg von 'O sole mio' kam unerwartet:
Anlässlich der 6. Olympischen Spiele in Antwerpen 1920 spielte die Musikkapelle vor 40'000 Zuschauern die Melodie von 'O sole mio' - der Dirigent hatte die Partitur des italienischen Königsmarsches vergessen.

Seither ist 'O sole mio' das italienische Lied schlechthin, die berühmtesten Tenöre sangen es: Enrico Caruso etwa, Benjamino Gigli, Fritz Wunderlich. Heute treten es die 'Drei Tenöre' Domingo, Carreras und Pavarotti während ihrer Massenveranstaltungen fröhlich schwitzend breit, dicht gefolgt von Andrea Bocelli und dem Belgier Helmut Lotti.

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Nicht nur in der 'klassischen Szene' fand dieses Lied grosse Verbreitung, spätestens Elvis Presley öffnete 'O sole mio' die Tür zur Popmusik, als er 1960 sang:

It's now or never, come hold me tight,
Kiss me my Darling, be mine tonight.
Tomorrow will be to late,
It's now or never, my love won't wait.

Das Lied verkam zur Schnulze, James Last vergewaltigte die Melodie ebenso erfolgreich, wie Peter Alexander den Text auf die nachkriegsdeutschen, -österreichischen und wohl auch Schweizer Urlaubsträume zurechtbog:

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Hell strahlt die Sonne auf die Erde nieder,
Aus der Taverne hört man die Lieder.
Doch zwei Verliebte müssen Abschied nehmen,
Ein Sommertraum ist für die zwei vorbei.

Die Liste der geschmacklosen, schmalzigen Interpretationen ist lang: Bobby Prins' Akkordeonversion, Dalida auf italienisch und japanisch, Massimo Ranieri, Jantje Smit, José Augusto, Robertino Loretti, Umberto Mercato, Luis Mariano...
Erheiternd, wenn sich Elvis Presley oder Jerry Vale an den italienischen Text wagen, oder wenn Luciano Pavarotti zusammen mit Brian Adams im Duett singt.

Interessanter und erfüllender sind die Versuche, ausschliesslich das musikalische Thema von 'O sole mio' aufzunehmen:
'Red Nichols & his Orchestra' swingen es, Emile Pandolfi spielt es alleine auf dem Klavier, lediglich im Hintergrund durch eine Mandoline leise begleitet, Louis Prima tanzt es als Tango.

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Auf einem endlosen Dance-Mix italienischer Canzoni fehlt es auch nicht: 'DJ Tequila & DJ Grappa' gebührt die Ehre, auch diesen - letzten? - Kunstgriff an 'O sole mio' vollzogen zu haben.

Heute kann man sich nicht vorstellen, dass dieses Lied einmal eine völlige Unbekannte war.

Ein junger Geiger aus Neapel, Eduardo di Capua, verliess aus Not seine Heimat, um nach Russland zu gehen, dort erhoffte er sich durch seine Musik Erfolg und Geld.

Sein Freund, der Journalist Giovanni Capurro, warnte ihn vor diesem Abenteuer: das Heimweh würde ihn auffressen. Doch di Capua ging.
Seine Tournee war ein künstlerischer Erfolg - gleichzeitig aber ein finanzielles und seelisches Drama. Heimwehgeplagt erinnerte sich di Capua im winterlichen Odessa an einen Zettel, den ihm Capurro bei seiner Abreise aus Neapel zugesteckt hatte:

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Che bella cosa na jurnata 'e sole,
N'aria serena doppo na tempesta!
Pe' ll'aria fresca pare già na festa...
Che bella cosa na jurnata 'e sole.

Di Capuas Herz ging auf, seine schöpferische Kraft erwachte, er begann angeblich sogleich, zu komponieren und die Melodie von 'O sole mio' auf der Rückseite des Zettels aufzuschreiben.

Di Capua kehrte nach Neapel zurück, er und Capurro glaubten felsenfest daran, mit diesem Lied den alljährlich stattfindenden Musikwettbewerb von Piedigrotta gewinnen zu können.

Den Neapolitanern aber war die Melodie zu melancholisch, die Verse zu schlicht, 'O sole mio' war im September 1898 ein Reinfall. Di Capua und Capurro starben in bitterer Armut, bevor der Erfolg des Liedes in Antwerpen seinen Lauf nahm.

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Die Interpretation eines Roberto Murolo oder Renzo Arbore dürfte vielleicht dem entsprechen, als was 'O sole mio' in Odessa entstanden war:
Einem heimweherfüllten, melancholischen, zitternden Zwiegespräch eines Alleingelassenen mit der Sonne, die ihm in der Fremde als einzig Bekanntes erscheint.

Der Text

Che bella cosa è 'na jurnata 'e sole,
N'aria serena doppo na tempesta!
Pe' ll'aria fresca pare già 'na festa ...
Che bella cosa na jurnata 'e sole.
Ma n'atu sole, cchiù bello, oi nè.
'O sole mio, sta 'nfronte a te!
'O sole, 'o sole mio,
Sta 'nfronte a te, sta 'nfronte a te.
Lucene 'e llastre d'à fenesta toia,
'Na lavannara canta e se ne vanta
E pe' tramente torce, spanne e canta,
Luceno 'e llastre d'à fenesta toia.
Quanno fa notte e 'o sole se ne scenne,
Me vene quase 'na malincunia;
Sotto 'a fenesta toia restarria
Quanno fa notte e 'o sole se ne scenne.
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Die CD

  1. Elvis Presley, Italian Version
  2. Enrico Caruso
  3. Mario Lanza
  4. Benjamino Gigli
  5. Emile Pandolfi
  6. Quartetto Gelato
  7. José Carreras
  8. Red Nichols & his Orchestra
  9. Elvis Presley, It' s now or never
  10. Roberto Murolo
  11. Fritz Wunderlich
  12. The Indiana Connection
  13. Luis Prima
  14. Umberto Mercato
  15. Nini Rosso
  16. José Augusto
  17. Bobby Prins
  18. James Last
  19. Peter Alexander
  20. Luciano Pavarotti
  21. DJ Tequila & DJ Grappa
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Die alternative CD:
Uitzonderlijke belgische uitgave

  1. Elvis Presley, Italian Version
  2. Enrico Caruso
  3. Mario Lanza
  4. Benjamino Gigli
  5. Emile Pandolfi
  6. Quartetto Gelato
  7. José Carreras
  8. Red Nichols & his Orchestra
  9. Elvis Presley, It' s now or never
  10. Roberto Murolo
  11. Fritz Wunderlich
  12. The Indiana Connection
  13. Luis Prima
  14. Umberto Mercato
  15. Nini Rosso
  16. José Augusto
  17. Bobby Prins
  18. James Last
  19. Peter Alexander
  20. Luciano Pavarotti
  21. DJ Tequila & DJ Grappa

Inluding additional, hidden track:
Cruel Sun-Song - Helmut Lotti feat. The flying Dutchman

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Ein Dankeschön an Napster

Brechen die Umsätze der Plattenindustrie nun ein, weil sich die Jugendlichen weniger Platten kaufen?
Sei es, weil sie sich die meiste Musik via Internet beschaffen oder weil heute auch das Handy bezahlt sein will...

Auf jeden Fall hat Napster einen Stein ins Rollen gebracht: Musik 'Peer to Peer' zu tauschen - P2P.
Napster ist heute faktisch tot. Versuche, im Internet Verbote durchzusetzten oder noch schlimmer: Gebühren zu erheben! bringen nur eines: drastisch sinkende Userzahlen.

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Im Fall von Napster, MP3 etc. haben sich dem unbedarften User längst andere Wege eröffnet, an Bertelsmann und Metallica vorbei seine Lieblingsmusik - oder jegliche andere Dateitypen - aus dem 'Netz' herunterladen zu können. Kostenlos.

www.napster.com Dank Napster konnte man immer wieder Musik zu Tage fördern, von deren Existenz man nichts ahnte.

Zum Beispiel kam ich so an fast 40 Interpretationen von 'O sole mio' heran.
Selbstverständlich habe ich die MP3's nach spätestens 3 Minuten und 37 Sekunden von meiner Festplatte gelöscht.

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