22. März 2011, 88'926 km
Am Nachmittag eröffnete ich meine persönliche Saison mit der traditionellen Fahrt über die Schwägalp. Es herrschte wunderbares Wetter, die Strassen waren bis auf eine kleine, waldig-schattige Ausnahme trocken und schneefrei, der Säntis präsentierte sich mir prächtig wie noch nie.
Zwar kenne ich den Weg bereits über die Schwägalp mittlerweile wirklich bestens, doch habe ich endlich eine Aktivhalterung für mein Tomtom Urban Rider Central Europe kaufen können (lange Zeit war diese nicht erhältlich gewesen) und diese Tags zuvor am Motorrad befestigt und an die Stromversorgung angeschlossen. Und ich wollte nach meinen schlechten Erfahrungen mit dem Garmin Zumo 550 und dessen Aktivhalterung (Wackelkontakte ohne Ende) das im letzten Jahr gekaufte Tomtom einem Tourentest unterziehen. Deshalb legte ich mir auf Google Maps eine Route zurecht und importierte diese wie beschrieben ins Tomtom. Das Tomtom leitete mich (auch ohne Ansage im Ohr, welche mir zu nervig ist) rein aufgrund der angezeigten Informationen sicher und fehlerfrei durchs Toggenburg und dann zurück nach Zürich, die Stromversorgung funktionierte tadellos.
9. April 2011, 89'880 km
Bei 25° am heute nachmittag unternahm ich die zweite grössere Ausfahrt. Kurz vor Mittag fuhr ich los, nach Frick, übers Benkerjoch, Erlinsbach, Langenbruck, Mümliswil, Delémont, Laufen, Basel, Weil, Kandern, Zell im Wiesental, Todtmoos, St. Blasien, Witznau und Hohentengen. Um Langenbruck herum waren ständig zwei Gesetzlose Motorradfahrer hinter mir her, ohne Nummernschild, fuhren ein wenig auf der Strasse, dann wieder irgendwo in den Wald rein, plötzlich waren sie trotzdem wieder da, überholten andere mal links, mal rechts. Rücksichtslose Beknackte, aber auch dafür gibt's Platz. Offenbar versagt im Jura die soziale Kontrolle ein wenig.
Wirklich ein hübscher Ausflug, vielleicht kann ich morgen etwas Vergleichbares unternehmen. Die eigentlichen Alpen haben zwar noch geschlossen, aber vielleicht kann man sich vorsichtig etwas annähern?
7. Mai 2011, 91'336 km
Am 28. April wurde der Splügen wieder geöffnet, leider war das Wetter nicht sonderlich gut, so dass ich erst am 7. Mai nachschauen gehen konnte, wie der Splügen kurz nach der Wintersperre aussieht. Leider nicht sonderlich spektakulär, keine wirklichen Schneewände, nur auf der Bündner Seite einige weggefräste Schneeverwehungen, die zwar imposant wirkten, jedoch nichts mit der tatsächlichen Schneehöhe zu tun hatten.
Gefahren bin ich über Julier, Maloja, Splügen, San Bernardino und Gotthard, dessen Tremola leider noch nicht geöffnet war.
26. Juni 2011, 93'244 km
Lange Zeit hat jetzt das Wetter oder die Arbeit nicht mitgespielt, zwei oder dreimal war ich im Schwarzwald unterwegs, in die Alpen hat's aber nie mehr gereicht.
Gestern endlich fuhr ich von Oberdorf aus über den Weissenstein, dann nach St. Ursanne, dem Doubs entlang nach St. Hippolyte, dem Desoubre folgend nach Consolation, dann durch den Col des Roches bei Le Locle nach La Brévine und über den Col de la Tourne nach Neuenburg und Solothurn.
Heute bei heissem Sommerwetter von Solothurn aus nach Interlaken und Innertkirchen, über den Sustenpass nach Wassen, dann nach Altdorf und über den Klausen zurück nach Zürich.
2. August 2011, 95'506 km
Gegen 1100 in Zürich losgefahren, eigentlich war der Plan, zuerst über den Gotthard und dann über Nufenen und Furka zu fahren. Doch unterwegs dachte ich mir, dass es doch eigentlich lustiger wäre, die Tremola aufwärts zu fahren. Und deshalb fuhr ich erst über den Furka, dann über den Nufenen und zuletzt noch über den Gotthard. Und weil's so schön war gleich noch über den Oberalp. In Laax wurde meine GS 77'777 km alt, zurück in Zürich hat sie jetzt fast schon 78'000 auf dem Buckel, demnächst muss ich mich daher wieder um einen Servicetermin kümmern. Falls dieses Jahr noch einige schöne Tage bietet, werde ich tatsächlich heuer noch meinen 100'000. Motorradkilometer erleben.
16.-18. August 2011, 96'755 km
Jetzt, wo der Sommer mir endlich die Möglichkeit bot, bei schönem Wetter eine mehrtägige Fahrt zu unternehmen, nahm ich kurzerhand Urlaub und fuhr am Dienstag morgen um 0915 in Zürich los. Meine Route führte mich über Albula und Bernina nach Italien, dort über den Aprica, Gavia nach Bormio und von dort aus über den Umbrail zurück in die Schweiz, ins Münstertal. Danach ging's ins Südtirol und hinauf Richtung Stilfserjoch, jedoch nur bis zur Kehre 22, dort stieg ich im empfehlenswerten Berghotel Franzenshöhe ab, es war kurz vor 1700.
Der zweite Tag meiner Reise begann um halb sieben, es weckte mich das schrille Pfeifen der Murmeltiere. Kurz nach acht, nachdem ich mich am Frühstücksbuffet gestärkt und einen wirklich guten Kaffee getrunken hatte, ging die Reise weiter. Hoch aufs Joch, auf der anderen Seite hinunter nach Bormio, dann über den Foscagno nach Livigno, wo ich den Liter Bleifrei zollfrei für € 1.095 tankte. Dann fuhr ich den Lago di Gallo entlang und durch den mautpflichtigen Munt-la-Schera-Tunnel zur Punt la Drossa (€ 10.-, SFr. 13.-). Dann über den Ofenpass wiederum ins Münstertal und Südtirol. Über den Reschen ging's nach Landeck im Tirol, weiter auf der mautpflichtigen Silvretta-Hochalpenstrasse (€ 10.50) über die Bielerhöhe nach Bludenz. Von dort aus ins Grosse Walsertal hinein, übers Faschinajoch nach Mellau, Hittisau und schliesslich nach Oberstaufen in Deutschland. Ab Immenstadt fuhr ich auf der Autobahn nach Ulm und einen Tag später zurück nach Zürich.
27. September 2011, 80'384 km
Anfang September war nun der 80'000er-Service fällig, der ohne Unvorhergesehenes verlief.
Der Sommer ist noch einmal ein wenig zurückgekehrt, ich war in den letzten paar Tagen insgesamt vier Mal im Schwarzwald und habe um die 600 km abgespult, ständig den Gedanken im Kopf, es könnte womöglich nun wirklich der letzte schöne Tag des Jahres sein. Noch gut 2000 km sind es bis zu meinen persönlichen 100'000 km auf dem Motorrad, diese Marke werde ich dieses Jahr wohl wirklich erreichen. Geplant ist nochmals eine Fahrt übers Stilfserjoch und ein Aufenthalt im Berghotel Franzenshöhe, sofern es im Oktober noch geöffnet hat. Eigentlich wollte ich auch nochmals die Route des grandes Alpes fahren, aber das muss ich auf 2012 verschieben, denke ich.
30. September 2011, 99'084 km
Spontan entschloss ich mich, am Donnerstag direkt nach der Arbeit Richtung Stilfs zu fahren. Ich suchte via Internet ein Hotelzimmer am Stilfserjoch, eigentlich dachte ich zuerst, ich möchte wieder in der Franzenshöhe absteigen, doch dann entschied ich, doch lieber wie schon im letzten Jahr ins Hotel Restaurant Traube zu gehen, wo's ein leckeres Frühstücksbuffet gibt, nämlich mit Geräuchertem und Salami. Kurz nach 1500 fuhr ich in Zürich los, erst nach Davos, dann über den Flüela nach Zernez und weiter über den Ofen nach Stilfs im Südtirol. Um kurz vor 1900 kam ich dort an und durfte ein wirklich gutes Abendessen geniessen und dunkles Bier trinken.
Heute fuhr ich nach dem wie erwartet ebenfalls guten Frühstück kurz nach 0830 los, übers Stilfserjoch, den Bernina, Maloja, Splügen, San Bernardino, Lukmanier, Oberalp, Gotthard, Nufenen, Grimsel und Susten. Um 1930 war ich wieder zuhause (900 km lang war die Rundstrecke), schreibe das hier und sehe, dass mir jetzt nur noch 916 km bis zu den 100'000 fehlen!
3. Dezember 2011, 100'000 km
Viel geschrieben wird in diesem Jahr wahrlich nicht, allerdings kann ich versichern, dass ich seit Ende September keine Ausfahrten mehr unternommen habe, lediglich zur Arbeit gefahren bin ich mit dem Motorrad. Ab und zu fiel der Heimweg vielleicht etwas länger aus, aber höchst selten.
Mitte November liess ich beide Reifen wechseln. Diesmal ergaben sich hierbei wiedereinmal grössere Probleme mit motorradreifendirekt.ch (Delticom). Die Firma versicherte mir, einen Vorder- und Hinterreifen an die von mir ausgewählte Garage zu schicken. Dort jedoch traf nur ein Vorderreifen ein, der zudem von falscher Dimension und Bauart war. Daraufhin lieferte Delticom einen korrekten Vorderreifen nach, der Hinterreifen liess jedoch auf sich warten. Und warten... Endlich reklamierte ich bei Delticom und forderte die Firma auf, mir Auskunft zu geben, wann der Reifen eintreffe. Ich erhielt eine Standardmail, ich solle meine Werkstatt fragen. Erneut schrieb ich Delticom, dass der Reifen eben gerade nicht dort sei und dass ich genau deshalb diese Auskunft wünsche. Und ich forderte die Firma auf, mir Auskunft zu geben, welche Person an welchem Ort und Tag denn meinen Hinterreifen in Empfang genommen habe. Daraufhin erhielt ich erneut eine Standardmail, der Reifen liege in der von mir als Montagestation gewählten Garage bereit, ich solle einen Termin vereinbaren. Wiedereinmal hatte ich bei Delticom den Eindruck, mit einer falsch programmierten Maschine zu sprechen. Wusste ich nicht bereits, dass der Reifen nie in der Werkstatt angekommen war und daher auch nicht montiert werden konnte und hatte ich mich nicht gerade deshalb bei Delticom gemeldet? Erneut schrieb ich deshalb an Delticom und teilte mit, ich würde die Kreditkartenabbuchung für den verschollenen Hinterreifen meiner Kreditkartenfirma als Fehlbuchung bzw. Betrugsfall angeben, wenn ich jetzt nicht substantielle Informationen zum Verbleib des Reifens erhielte. Innerhalb weniger Stunden erhielt ich dann eine Mail, dass die Lieferung des Reifens "storniert werden musste, aus sonstigem Grund." Schon klar?! Und einige Stunden später:
Die Ersatzlieferung erfolgt kostenlos an Sie.
Diese Regelung stellt eine Kulanzlösung dar.
Erste Zeile: gut. Zweite Zeile: Scheiss die Wand an. Delticom ist nicht schuld, sondern geradezu gönnerhaft. Jeder hat halt seine eigenen Sicht auf die Dinge. Zur Information: Das ganze Hin und Her von der ersten Bestellung bis zur Montage beider Reifen dauerte vom 11. Oktober bis zum 14. November.
Gestern war ich kurz einige Sachen einkaufen und damit ich keinen Parkplatz suchen musste, fuhr ich mit dem Motorrad herum. Und während dieser Fahrt sah ich auf dem Tacho die Kilometerabgabe 82'464, die für mich persönlich den 100'000. Kilometer auf einem Motorrad darstellt. Ich gratuliere mir selber!
